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Der Rollkoffer ist von allen Transporttaschen die garstigste und hinterhältigste. In den 1990ern aufgekommen, sind Rolltaschen, Rollkulis oder Trolleys, wie sie manchmal auch genannt werden, mittlerweile aus dem Personennah- und fernverkehr nicht mehr wegzudenken. Als die Kofferindustrie herausgefunden hat, dass nach den boomenden Tourismusjahren in den 70ern und 80ern des 20. Jahrhunderts die Menschheit mehr oder weniger vollständig mit Taschen versorgt war, erfand sie in ihrer Gier die Rollkoffer, um den Menschen vorzugaukeln, dass sie damit ihre Habseligkeiten schneller und kraftsparender transportieren können. Die Diskrepanz zwischen individuellem scheinbaren positiven Effekten gegenüber einer herkömmlichen Tasche und den allgemeinen negativen Veränderungen wird in Fachkreisen das Kofferkuli-Dilemma bezeichnet.

Das Kofferkuli-DilemmaBearbeiten

Das Kofferkuli-Dilemma ist eine spieltheoretische Anwendung ähnlich dem Gefangenen-Dilemma. Der Kern ist dabei, dass die am Spiel teilnehmenden Personen etwas für sie Positives tun und damit der Allgemeinheit schaden zufügen. Weil alle teilnehmenden Personen dieses scheinbar Positive tun, verschlechtert sich aber die Situation aller Spieler, sodass am Ende alle einen negativen Effekt spüren.

Auf Kofferkulis bezogen heißt das konkret, dass die reisenden Personen auf Bahnhöfen oder Flughäfen immer mehr Rollkoffer gegenüber normalen Koffern und Reisetaschen den Vorzug geben, weil sie glauben, dadurch leichter ihre Sachen transportieren zu können. Der Test dazu wird meistens von einem Kofferverkäufer in einem weitläufigen Gang eines Kaufhauses getätigt und erweist sich tatsächlich als positiv, weil die Rollen einen Teil des Gewichts auffangen und mittels der Trägheit der Tasche das Transportstück in Bewegung halten – ähnlich dem positiven Effekt eines Fahrrades.

Die ersten Probleme stellen sich dann auf dem Bahnhof bzw. Flughafen ein:

  • Ein überfüllter Bahnhof ist keineswegs so weitläufig wie das Kaufhaus, in dem der Koffer gekauft worden ist, sodass der Benutzer den Rollkoffer stets nur wenige Zentimeter tatsächlich rollen kann. Den Rest des Weges ist der Nutzer mit Umgreifen und Tragen, Umgreifen und weiterem Rollen beschäftigt.
  • Durch die Belastungsproben beim Einpacken zuhause neigen die Benutzer von Rollkoffern dazu, wesentlich mehr Gepäck auf ihre Reise zu nehmen. Das bedeutet oftmals, dass sich die Transportbelastung nicht verbessert hat, sondern konstant geblieben ist bei nur mehr Gepäck.
  • Durch das Mehr an Gepäck ist der Rollkoffer so sperrig geworden, dass er sich nicht mehr unter die Sitze oder im Handgepäck verstauen lässt. In der Bahn versperren Rollkoffer oftmals die Gänge, auf Flughäfen stehen sie häufiger im Weg als alternative Taschenkonzepte.
  • Durch die Sperrigkeit kann der Rollkoffer nur noch selten gerollt werden, ohne dass er an irgendwas anstößt und durch sein schlecht ausbalanciertes Gewicht leicht umfällt. Der Reisende ist dann zu erneutem Umgreifen genötigt, was die umstehenden Personen wiederum stört.

Wie oben schon abzusehen ist, entstehen viele Probleme der Rollkoffer hauptsächlich für die anderen Reiseteilnehmer im Zug oder im Flugzeug. Um ihr Reisekomfortdefizit auszugleichen, kaufen sie sich ebenfalls Rollkoffer, sodass das Unglück seinen Lauf nimmt:

  • Je mehr Rollkoffer im Umlauf sind, desto weniger Platz ist für die Fahrgäste. In jedem Zug, in dem sich die Leute darüber beschweren, dass man nirgendwo mehr durchkommt wegen des vielen Gepäcks, sind ganz besonders viele Kofferkulis vorzufinden.
  • Gerade beim Ein- und Ausstieg in Züge werden die Rollkoffer zur Last. Ein Fahrgast, der einen Rollkoffer besitzt, trägt diesen oft, wenn er aussteigt und setzt ihn nur wenige Millimeter nach dem Ausstieg auf den Boden ab, greift um, vergreift sich, greift nochmals um und rollt dann langsam seines Weges. Durch dieses Prozedere dauert jeder Ausstieg eines Fahrgastes statt einer halben Sekunden volle acht Sekunden, was eine konkrete Versechzehnfachung der Ausstiegszeit aller Fahrgäste zur Folge hat! Durch die langen Ein- und Ausstiegszeiten schaffen es viele Züge wie zum Beispiel ICEs, die nur wenig Haltezeit eingeplant haben, nicht, planmäßig den Bahnhof zu verlassen.
  • Urlaubsheimkehrer und Business-Rückreisende sind besonders betroffen. Während auf der Hinreise der Rollkoffer bis zum Flugzeug noch eingermaßen intakt war, hat er spätestens beim Check-in auf dem Heimweg bereits ein oder zwei Rollen verloren oder der Teleskop-Griff sich in ein scharfkantiges Etwas zerlegt, das zum Tragen oder Ziehen nicht mehr taugt, jedoch bereit ist, Blutzoll vom Träger oder Mitreisenden zu fordern.
  • Das führt zu Verspätungen, die Folgeverspätungen an anderen Bahnhöfen und durch Gleis- und Weichenbelegung auch am selben Bahnhof zur Folge haben. Auch der Güterverkehr leidet sodann unter der Tyrannei der Kofferkulis. Mathematiker gehen davon aus, dass die vielen Rollkoffer das BiP um etwa 1,4% nach unten drückt. Durch den wachsenden Einfluss des Bahnverkehrs in der Globalisierung wird dieser Einfluss in Zukunft noch weiter steigen.

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