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Die Wahrheit, die Wahrheit und nichts als die Wahrheit wird immer dann hinzugezogen, wenn es eigentlich viel eher um Unwahrheiten geht. Die Wahrheit soll eine objektive Größe der Natur sein, die man heranziehen kann, um seinen eigenen argumentativen Standpunkt zu festigen. Tatsächlich geschieht dies stets aus einem Augenblick der Schwäche heraus. Das Aussprechen einer vermeintlichen Wahrheit bewirkt daher stets das Bedeuten einer Unwahrheit.

Beispiele von WahrheitenBearbeiten

Der Satz "die Rente ist sicher"[1] bedeutet, dass sich die Frage nach der Sicherheit schon gestellt hat und damit ein Zweifel an der Wahrheit der Wahrheit schon vorangegangen ist. Ähnliches gilt für Sätze wie "ich habe keine Affäre", "sie bedeutet mir nichts" oder "ich war doch nur betrunken und kann mich an nichts erinnern".

Theologen betrachten die eine Wahrheit als die Aussage, dass Gott existiert. Dies entstammt natürlich nur der Tatsache, dass sie keinen sinnvollen Beweis für ihren Gott anführen können und man seine Existenz als abstrakte Wahrheit deklarieren muss. Einige Theologen betonen, dass es sich dabei um eine persönliche Wahrheit handeln würde, was aber wiederum nur die Unverträglichkeit ihrer Gedanken mit ihrer Umwelt herausstellt.

Philosophen suchen schon seit tausenden von Jahren nach einer Wahrheit, geben aber selbst zu, dass sie bis heute keine echte Wahrheit gefunden haben. So musste der anfangs recht euphorisch aufgenommene Satz "ich denke, also bin ich" als Wahrheit revidiert werden, weil er auf der bloßen Annahme einer gewissen Logik beruht. Das aber ist nicht gerade sicher, denn wie Gödels Unvollständigkeitssatz beweist, ist Logik keineswegs allerklärend und unzureichend.

UnwahrheitBearbeiten

Im Gegensatz zur Wahrheit, die man nie nachweisen kann, gibt es einige Unwahrheiten, die jeder unweigerlich als Unwahrheit ansehen wird. Unwahrheiten sind deshalb viel resistenter gegen Kritik als Wahrheiten und ergo haftet ihnen eine gewisse Unumstößlichkeit, ja geradezu eine Schönheit an, die man sonst nirgendwo finden kann. Dieser Umstand macht Unwahrheiten auch soviel mächtiger als die Wahrheit selbst.

Wenn ich Dir, lieber Leser, beispielsweise vorwerfe, Du wärest ein Arschloch, hätte das eine viel stärkere Wirkung, als wenn ich behaupten würde, Du bist ein wunderbarer Mensch. Ein wunderbarer Mensch genannt zu werden, klingt schleimig und undifferenziert. Wirst Du dagegen als Arschloch tituliert, so wirst Du direkt genötigt, die Behauptung als Schwachsinn abzutun. Das würde Dir allerdings nur gelingen, wenn Du Deinerseits eine Wahrheit aufstellst, die ganz klar wäre, dass Du ein wunderbarer Mensch bist. Würdest Du das allerdings auch nur behaupten, so wäre dies ein Indiz für meine Theorie, dass Du ein Arschloch bist. Deswegen bist Du spätestens ab dem Zeitpunkt ein Arschloch, ab dem ich das von Dir behaupte. Oder mit anderen Worten: gegen die Unwahrheiten kann man gar nicht ankommen.

Vermutlich sind solche Vorgänge Gründe dafür, warum Unwahrheiten wie "die Erde ist eine Scheibe" oder "die Rente ist sicher" eher im Gedächtnis bleiben als Sätze wie "die Erde ist eine Kugel" oder "die Rente ist nur mit etwas Glück sicher". Kurzum: die Unwahrheit hat der Wahrheit gegenüber so wunderbar viele Vorteile.

ReferrenzenBearbeiten

  1. Blüm: die Rente ist sicher.

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